Wissensplattform›TU Braunschweig
Gesundheit beginnt beim Bauen
Menschen verbringen bis zu 90 Prozent ihres Lebens in Innenräumen. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt: Der Aufenthalt in Gebäuden kann das Risiko für Krankheitsübertragung steigern. Ein Risiko, das reduziert werden kann. Doch während Hygienemaßnahmen schnell etabliert wurden, fehlte das Wissen über konkrete bauliche Lösungen insbesondere für kritische Infrastrukturen, wie Kindergärten, Schulen, Arztpraxen und Pflegeheime. Ein multidisziplinäres Forschungsteam der TU Braunschweig, Charité Berlin und TU Berlin entwickelte im SAVE-Projekt evidenzbasierte Empfehlungen für infektionspräventive Architektur. Das Problem: Komplexe Forschungsergebnisse erreichten die Baupraxis nicht.
Architekt:innen, TGA-Planende und Bauherr:innen brauchten eine zentrale Anlaufstelle, die wissenschaftliche Erkenntnisse in praktische Handlungsempfehlungen übersetzt. Gleichzeitig sollte die Plattform verschiedene Gebäudetypen systematisch abbilden und durch interaktive Tools konkrete Planungshilfen bieten. Die Zielsetzung war klar: Wissenschaftskommunikation schaffen, die den Wissenstransfer zwischen Forschung und Baupraxis nachhaltig stärkt und baulichen Gesundheitsschutz als Standard etabliert.
Der Baukasten nimmt Gestalt an
Unser Ansatz war radikal einfach: Komplexe Inhalte werden dann wirksam, wenn sie intuitiv navigierbar sind und den individuellen Bedarf der Nutzer:innen bedienen. Durch Online-Umfragen und Workshops haben wir diese gemeinsam mit Zielgruppenvertrer:innen identifiziert und User Szenarien entworfen. Auf dieser Basis haben wir eine modulare Website-Architektur entwickelt, die die evidenzbasierten Erkenntnisse für verschiedene User Journeys aufbereiten.
Der Seitenbereich »Infrastrukturen« bündelt Entwurfsprinzipien, Maßnahmenempfehlungen und Best Practice Beispiele für verschiedene kritische Infrastrukturen, wie Arztpraxen, Schulen, Kindertagesstätten und Pflegeheime.
Im Seitenbereich »Themenfelder« strukturierten wir Fachinhalte, Maßnahmenempfehlungen und nach vier Kerndisziplinen: Bau, Lüftungstechnik, Hygiene und Materialwissenschaften.
Drei zentrale Tools unterstützen die praktische Anwendung:
- Ein interaktiver Maßnahmenkatalog, das Herzstück von PlanGesund.info, ermöglicht es Nutzer:innen, Handlungsempfehlungen nach Infrastruktur, Gebäudetyp (Neubau oder Bestand) und Themen zu filtern.
- Die Entscheidungshilfe zur Raumlufthygiene informiert zu Standards für die Basisraumlufthygiene, unterstützt beim Status-Check und hilft bei der Wahl des richtigen Lüftungssystem.
- Ein filterbarer Materialkatalog kategorisiert nach chemischen und physikalischen Eignung für bestimmte Anforderungen.
Weitere Bausteine für die praxisgerechte Aufbereitung der Forschungsergebnisse: ein sachlich aber prägnantes Design-Konzept und ein interaktives Infografik-Konzept. Isometrische Stadtansichten in Blautönen mit orangefarbenen Akzenten schaffen intuitive Orientierung. Typografie und Farbkontraste optimieren Lesbarkeit, während ein responsives Layout Übersichtlichkeit auf allen Endgeräten gewährleistet. So wird komplexes Wissen nicht nur zugänglich, sondern aktiv erfahrbar.
Wissen wird zu Wirkung
Die Plattform PlanGesund.info wurde am 4. Dezember 2024 auf dem Campus Charité Mitte erfolgreich gelauncht. Das Ergebnis: Eine nutzerfreundliche Wissensplattform, die wissenschaftliche Exzellenz mit praktischer Anwendbarkeit verbindet und zur zentralen Anlaufstelle für baulichen Gesundheitsschutz wird.
Für das Forschungsteam bedeutet dies einen nachhaltigen Wissenstransfer ihrer dreijährigen Arbeit in die Baupraxis. Die modulare Architektur ermöglicht organisches Wachstum – neue Gebäudetypen wie Krankenhäuser oder Bürobauten lassen sich nahtlos integrieren. Gleichzeitig stärkt die Plattform die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hygieniker:innen, Architekt:innen und TGA-Planenden.
Der gesellschaftliche Impact: PlanGesund.info demokratisiert Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und macht baulichen Gesundheitsschutz zur Planungsrealität. Kindergärten werden durch bessere Lüftungskonzepte sicherer, Pflegeheime durch durchdachte Grundrisse infektionsresistenter. Die Plattform beweist, dass Wissenschaftskommunikation dann gesellschaftlich wirksam wird, wenn sie Komplexität in Handlungsfähigkeit übersetzt.
Ein digitaler Baukasten, der gesundes Bauen möglich macht – und Menschen schützt.