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Digitaler Salon

Twitteratur — Neue, kurze, digitale Texte

Der erste Digitale Salon in 2016 widmet sich ganz dem literarischen Erbe der großen Schriftsteller und dem Schreiben im Internet als kulturellem Raum. Texte in Blogs sind  Teil unserer Gegenwart und bieten genreübergreifende multimediale Ansätze. Im Digitalen Salon »Dem Hölderlin sein Hashtag« werden Fragen nach den Algorithmen der neuen Autoren gestellt. Und wie verhält es sich mit der literarischen Landschaft in Zeiten von Amazon und co? Wie können wir Schreiben neu erzählen und Erzählen neu vertexten und was ist eigentlich Weltliteratur? — von Sophie Möbius

Digitaler Salon mit

  • Stephan Porombka, Universität der Künste
  • Dirk von Gehlen, Autor und Journalist, Süddeutsche Zeitung
  • Nikola Richter, Verlagsleiterin mikrotext, Autorin
  • Katja Weber von DRadio Wissen (Moderation)

  • Digitaler Salon | Nikola Richter
    Digitaler Salon | Nikola Richter
  • Digitaler Salon | Stephan Porombka (rechts)
    Digitaler Salon | Stephan Porombka (rechts)

Auch wenn Moderatorin Katja Weber der Ansicht ist »Eine Bücherwand befriedet und niemand kann sich davor streiten«, kommen die Referenten im Laufe des Abends doch ganz gut in Diskussionslaune. Wir befinden uns inmitten von einem Meer feinster Literatur und bewegen uns während des Abends zwischen der Frage, wie sich die Digitalisierung und Fülle der Medien unserer Zeit auf die Qualität von Literatur auswirkt und wie sie sich in Zukunft gestalten wird, soll und kann.

DIRK VON GEHLEN

»Die historische Neuigkeit ist, dass Inhalte identisch duplizierbar sind. Wir als Konsumenten müssen lernen mit dieser Digitalen Verteilung von Inhalten umzugehen«

Dirk von Gehlen, stellt als Autor und Journalist der SZ bei seiner Arbeit fest, dass digitales Entwickeln nur in kleinen Schritten vorangeht. Auch wenn am Ende des Abends seine Meinung ein wenig schwankt, ob das Buch nun mehr digitalisiert werden sollte oder nicht, wird aber deutlich, dass Bücher aufgrund dieser neuen Nutzungsform nicht an Wert verlieren. »Im Bücherladen stehen sie nur da wie eine Flasche Wein, aber durch die neuen Medien ergeben sich ganz neue Facetten«

Für Nikola Richter, junge Autorin und Gründerin des Berliner Digitalverlags »mikrotext«, ist das Lesen durch ihr Handy wieder zurück ins Leben gekommen. Sie sieht die Digitalisierung des Buches nicht als negativ, sondern hat vielmehr Freude daran, hin und wieder auch mal im Bett bei Nachtlichtmodus mit dem Smartphone Lektüre verschlingen zu können, ohne jemanden dabei zu stören. Onlineverlage wachsen langsam, aber man kann davon leben. Auch sie selbst stellt fest, dass sich ihr Mikrotext-Verlag schrittweise immer weiter etabliert. Wichtig dabei ist, das Buch bzw. die Literatur in einen neuen Kontext gebracht wird wie beispielsweise durch Lesungen, Theaterstücke oder eben ebooks. So kann sich Literatur auch weiter verbreiten und an Wert dazugewinnen.

Dem kann Stephan Porombka, Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste, nur zustimmen. Die Frage, ob das Buch ausstirbt, langweilt ihn. Der Buchmarkt ist ständig in Bewegung und wird kontinuierlich durch neue Trends — wie Twitteratur — beeinflusst.

STEPHAN POROMBKA

»Es ändert sich nicht der Aggregatzustand des Buches, sondern der des Kontextes«

Wir müssen uns mehr in diese neuen Kontexte hineindenken und versuchen, dadurch einen Mehrwert des Buches zu erreichen. Der Literat befindet sich in einem Studium des stetigen Experimentierens. Auch müssen wir als Leseratten immer den Blick fürs nächste haben – Ob ebook, Onlinebeitrag oder ein Buchkauf bei Amazon – immer wieder werden wir durch Links, Buttons oder Querverweise durch »Das haben andere vor Ihnen auch gelesen«schon wieder auf das »Nächste« weitergeleitet, ohne den eigentlichen Content überhaupt schon verarbeitet zu haben.

Das shrug Emoticon¯\_(ツ)_/¯ setzt laut von Gehlen ein neues Zeichen durch die Nutzung neuer Zeichensprache, wie die Emotis, entwickelt sich mittlerweile auch ein digitaler Dialekt, der übersetzt in tatsächlich praktizierte Gestiken völlig idiotisch wirken würde. Es entsteht also eine Mischform aus Gesprochenem und Geschriebenem.

  • Digitaler Salon
    Digitaler Salon
  • Digitaler Salon | Hashtag DigSal
    Digitaler Salon | Hashtag DigSal

Die Tweets des kommenden Literaturpreisträgers werden Literatur sein, so Dirk von Gehlen. Die Frage, wer sich heute noch als Literat bezeichnen kann, hat sich stark geändert, denn im Grunde kann jeder publizieren. Ob dies nun über Mails, digitale Notizen, Posts oder Blogbeiträge passiert – Literatur definiert sich neu. Allerdings hängt der Wert des Tweets stark von dem Grad der Persönlichkeit ab, denn nicht jeden interessiert es, wo und wann er gerade seine Tasse Kaffee trinkt. Der Kontext lässt erst die Literatur entstehen.

Twitteratur — Ist jeder Literat, der ein Smartphone hat?

Stephan Porombka hat ein ebook herausgegeben, in dem er 140 Tweets in Kinderhandschrift abgeschrieben hat. Die Message ist einfach – nur weil Geschriebenes  überwiegend durch digitale Medien verbreitet wird, ist es immer noch Literatur – unabhängig davon, ob per Tastatur oder mit dem Stift niedergeschrieben. Stimmt #genau!

  • Digitaler Salon | Texte im Netz
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