TULIUM – Im Namen der Wissenschaft
Grundsteinlegung TULIUM: Namens- und Markenentwicklung für Berlins ersten kreislaufgerechten Wissenschaftspavillon
Am 10. November 2025 wurde an der TU Berlin der Grundstein für TULIUM gelegt – ein Gebäude aus wiederverwendetem Holz, das Wissenschaft erlebbar macht. Wir haben den Namen entwickelt und begleiten die Kommunikationsstrategie für dieses Pionierprojekt.
Der 10. November 2025, 14 Uhr im Horst-Wagon-Hörsaal der TU Berlin: TU-Präsidentin Prof. Dr. Geraldine Rauch, Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und der stellvertretende Bezirksbürgermeister Christoph Brzezinski setzen gemeinsam mit Lars Oeverdieck, Kanzler der TU Berlin, den symbolischen ersten Stein für TULIUM. Das Besondere an diesem Moment: Es geht um weit mehr als ein Gebäude. TULIUM wird Berlins erstes vollständig kreislaufgerechtes Ausstellungsgebäude – gebaut aus Gebrauchtholz, konzipiert für vollständige Wiederverwendung.
Für uns als Agentur für Wissenschaftskommunikation stellte sich die Frage: Wie vermittelt man ein Projekt, das gleichzeitig mineralogische Sammlung, Reallabor für nachhaltiges Bauen und offener Dialog-Ort sein will? Die Antwort beginnt beim Namen. TULIUM knüpft an das selteneErdelement Thulium an und schafft so die Brücke zwischen der über 200 Jahre alten mineralogischen Sammlung der TU Berlin und der Vision eines zukunftsfähigen Wissenschaftspavillons. Bis zur Eröffnung 2027 begleiten wir die TU Berlin bei der Entwicklung einer Kommunikationsstrategie, die unterschiedliche Zielgruppen erreicht – von Wissenschaftstouristen bis zur lokalen Nachbarschaft.
Namen, die Welten verbinden
Der Name eines Gebäudes ist mehr als Schall und Rauch. Er transportiert Mission, schafft Identität und öffnet Türen – oder verschließt sie. Bei TULIUM stand diese Erkenntnis von Anfang an im Raum. Die TU Berlin suchte einen Namen mit Bedeutung, der verschiedene Ebenen des Projekts zusammenführt.
Die Herausforderung war komplex: Das Gebäude sollte die historische mineralogische Sammlung beherbergen, als innovatives Reallabor für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen dienen und gleichzeitig als offener Begegnungsort Wissenschaft für alle zugänglich machen. Drei verschiedene Narrative in einem Namen – wie kann das gelingen?
Unsere Naming-Strategie setzte auf einen mehrschichtigen Ansatz. TULIUM referiert auf Thulium, ein seltenes Erdelement aus der Gruppe der Lanthanide. Diese Verbindung zur Mineralogie schafft eine inhaltliche Klammer zur über 200.000 Objekte umfassenden Sammlung. Gleichzeitig klingt der Name nach lateinisch »tulium« – einem Ort, einem Raum. Diese Doppeldeutigkeit erlaubt es, das Gebäude sowohl als wissenschaftlichen Schatz als auch als offenen Ort zu kommunizieren.
In Workshops mit dem Natural Building Lab der TU Berlin, der Science Gallery Berlin und dem Kustos der mineralogischen Sammlung Dr. R. Johannes Giebel entwickelten wir verschiedene Naming-Optionen. TULIUM setzte sich durch, weil der Name:
- Die wissenschaftliche Sammlung würdigt, ohne elitär zu wirken
- International verständlich und aussprechbar ist (wichtig für Wissenschaftstouristen)
- Genügend Offenheit für künftige Nutzungen lässt
- Sich vom Campus-Umfeld abhebt, ohne zu konstruiert zu klingen
Was nach einem einfachen Naming-Prozess aussieht, war intensive Arbeit an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und öffentlicher Zugänglichkeit. Der Name musste in wissenschaftlichen Publikationen ebenso funktionieren wie auf Instagram-Posts für 15- bis 25-Jährige – die Kernzielgruppe der Stabsstelle Science and Society.
Zwischen Forschung und Freizeit
Die größte kommunikative Herausforderung bei TULIUM liegt in seiner hybriden Funktion. Das Gebäude ist gleichzeitig Forschungsobjekt, Ausstellungsraum und grüner Transfer- und Erholungsraum auf dem Campus. Diese Vielschichtigkeit verständlich zu machen, erfordert eine durchdachte Wissenschaftskommunikation.
Nehmen wir das Thema Kreislaufwirtschaft: Laut Umweltbundesamt verantwortet der Bausektor in Deutschland 40 Prozent der CO2-Emissionen, 60 Prozent des Abfalls und 50 Prozent des Transportvolumens (Quelle: Umweltbundesamt). Diese Zahlen sind beeindruckend– aber wie vermittelt man die Lösung? TULIUM wird vollständig aus Gebrauchtholz und wiederverwendeten Stahlträgern errichtet. Alle Verbindungen sind reversibel, alle Materialien können nach dem Rückbau erneut verwendet werden. Das Gebäude ist buchstäblich einlebendes Materiallager.
Für unsere Kommunikationsstrategie bedeutete das: Wir mussten das abstrakte Konzept »Circular Construction« in konkrete Bilder übersetzen. Gemeinsam mit der TU Berlin entwickelten wir verschiedene Vermittlungsebenen – ein Gebäude, das nach seiner Nutzung zur Ressource wird. Das funktioniert nur, wenn wir für jede Zielgruppe die richtigen Zugänge finden.
Bei der Entwicklung von Interimskommunikation für die Bauphase bis 2027 setzen wir genau hier an. Wir erzählen bereits jetzt die Geschichten hinter dem Gebäude – über die Materialien, über die Forschenden, über die Vision eines offenen Campus.
Gebaut für morgen, kommuniziert für heute
Die Grundsteinlegung am 10. November markiert den offiziellen Baustart – aber kommunikativ ist TULIUM längst präsent. Bereits im August 2025 wurde der 1:5-Prototyp des Tragwerks öffentlich präsentiert. Die Medienresonanz zur Bekanntgabe der Reallabor-Förderung war beachtlich. Diese Vorlaufphase nutzen wir gezielt, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen.
Das B(e)Ware Reallabor, in dem TULIUM das erste von drei Pilotprojekten ist, wird vom Berliner Senat gefördert. Hier entsteht kein Nischenprojekt, sondern ein Leuchtturm für zukunftsfähiges Bauen. Unsere Aufgabe ist es, diese Relevanz auch jenseits der Fach-Community sichtbar zumachen.
Ein zentrales Element unserer Kommunikationsstrategie ist die Verknüpfung mit bestehenden Campus-Initiativen. TULIUM wird zum Knotenpunkt der »Wissenspfade« – einem innovativen Konzept, das sich wie Spinnenfäden über den Campus Charlottenburg legt. Besucher können über interaktive »Wissensbojen« den Campus erkunden und landen schließlich bei TULIUM, wo die Themen vertieft werden. Diese räumliche Vernetzung übertragen wir auch auf die digitale Ebene.
Für die Bauphase entwickeln wir Formate, die Neugier wecken: Behind-the-Scenes-Einblicke in den Bauprozess, Interviews mit Forschenden über ihre Arbeit am Reallabor, Geschichten aus der mineralogischen Sammlung. Das Ziel: Wenn TULIUM 2027 eröffnet, kennt Berlin das Projekt bereits als Ort, der für etwas steht.
Was wir gelernt haben
Die Arbeit an TULIUM zeigt exemplarisch, woran viele Wissenschaftskommunikationsprojekte scheitern: Sie wecken das Interesse ihrer Zielgruppen zu spät. Ein nachhaltiger Holzpavillon mit mineralogischer Sammlung klingt nach Nischenthema. Die Aufgabe bestand darin, die universellen Fragen dahinter freizulegen.
Drei zentrale Erkenntnisse aus dem bisherigen Prozess:
- Namen brauchen Bedeutungsschichten: TULIUM funktioniert, weil der Name verschiedene Assoziationen ermöglicht – je nach Publikum und Kontext. Diese Offenheit ist bei interdisziplinären Projekten entscheidend.
- Komplexität braucht Zugänge: Wir schaffen verschiedene Einstiegspunkte in die Vielschichtigkeit des Projekts. Fachpublikum findet technische Details, allgemeines Publikum emotionale Geschichten.
- Bauzeit ist Kommunikationszeit: Die Jahre bis zur Eröffnung 2027 nutzen wir für sukzessiven Vertrauensaufbau. Statt mit großer Marketingkampagne zur Eröffnung zu starten, bauen wir kontinuierlich Präsenz auf.
Die Grundsteinlegung markiert den sichtbaren Übergang in die nächste Phase. In den kommenden Monaten begleiten wir die TU Berlin dabei, TULIUM als lebendigen Prozess zu kommunizieren – mit allen Herausforderungen, die ein Pionierprojekt mit sich bringt. Wenn 2027 die Türen öffnen, wird Wissenschaft in Berlin einen neuen Ort haben – einen Ort, an dem Exzellenz und Zugänglichkeit zusammenkommen.
Wie eure Organisation Wissenschaft vermittelt
Wissenschaftskommunikation lebt von der Balance zwischen Genauigkeit und Verständlichkeit.Bei TULIUM haben wir erlebt, wie wichtig es ist, verschiedene Perspektiven von Anfang an mitzudenken – von Forschenden über Kommunikationsverantwortliche bis zu späteren Besuchern. Diese Vielstimmigkeit bereichert Projekte.
Wenn ihr vor ähnlichen Herausforderungen steht – ein komplexes Projekt verständlich zu machen, verschiedene Zielgruppen zu erreichen oder einen Namen zu finden, der trägt – sprecht uns an. Solche Prozesse brauchen Zeit, Geduld und einen langen Atem. Genau dafür sind wir da.
Was sind eure Erfahrungen mit Wissenschaftskommunikation? Wo stoßt ihr auf Hürden, wenn es darum geht, Forschung für unterschiedliche Publika zugänglich zu machen? Schreibt uns: ni@nordsonne.de
Ihr plant ein Kommunikationsprojekt für eure Forschungseinrichtung, euer Museum oder eure wissenschaftliche Organisation? Wir unterstützen euch von der Strategie bis zur Umsetzung. Stellt uns eine Anfrage über unsere Kontaktseite.