Transformation, Identität und Kommunikation: Die Kraft liegt in den Schnittmengen
Ein Gespräch über das »TIK-Modell« und die strategische Weiterentwicklung von NORDSONNE IDENTITY
Nach 22 Jahren erfolgreicher Arbeit von NORDSONNE IDENTITY im Wirkungsfeld von Wissenschaft und Gesellschaft erweitern Gina Lange-Hermstädt und Tom Schmiedel das Portfolio um einen systemischen Ansatz: Das »TIK-Modell« verbindet Transformation, Identität und Kommunikation für ganzheitliche Organisationsberatung. Im Gespräch erläutern die beiden Geschäftsführer:innen, warum Markenentwicklung allein nicht mehr ausreicht und wie identitätsbasierte Beratung Organisationen wirksamer macht.
Wie kam es zum TIK-Modell?
Gina: Die Identität von Organisationen prägt unsere Arbeit seit der Gründung. In unzähligen Gesprächen mit Führungskräften haben wir jedoch festgestellt, dass die klassische Markenentwicklung nur eine Seite der Medaille bedient. Wir kommen dabei zwar ans Herz einer Organisation heran, aber die Frage bleibt: Wie setzt man das, was nach außen sichtbar werden soll, auch nach innen um?
Tom: Genau, eine überzeugende Kommunikation braucht tragfähige Strukturen nach innen. Hier setzt das »TIK-Modell« an. Mit dem Bereich Transformation wollen wir ein Angebot schaffen, das um nicht nur die Außenwirkung zu präzisieren, sondern diese auch nach innen umzusetzen. Die zentrale Frage ist: Wie schafft man die Strukturen für das, was außen sichtbar werden soll?
Was genau verbirgt sich hinter den drei Buchstaben?
Tom: Das T steht für Transformation und umfasst alle Bereiche der Organisationsberatung: Strategieentwicklung, Zukunftsszenarien, Leadership, Organisationskultur, neue Arbeitsformen. Alles, was nach innen in die Organisation wirkt. Das I steht für Identität und umfasst Markenstrategie und Kommunikationsstrategie. Hier legen wir den Kern einer Organisation frei, aber vor allem auf der strategischen Ebene. Das K für Kommunikation ist unser Kreativbereich, wo wir uns mit allen Möglichkeiten beschäftigen, Zielgruppen zu erreichen und Marken sichtbar werden zu lassen.
Das klingt nach einer großen Veränderung. Oder ist es eher eine Evolution?
Gina: Es ist definitiv eine Evolution! Die Bereiche Identität und Kommunikation machen wir von Anfang an. Den Bereich Transformation haben wir in den letzten fünf Jahren aufgebaut, weil wir gemerkt haben, dass er zunehmend relevanter wird. Die Herausforderungen für Organisationen liegen oft gar nicht im Bereich der äußeren Darstellung, sondern darin, sich nach innen wandlungsfähig aufzustellen.
Tom: Entscheidend ist geworden, dass Organisationen ihre Identität von innen heraus leben und ihre Strukturen entsprechend gestalten. Wir haben eigentlich nur das bereits Vorhandene explizit gemacht und ihm einen Namen gegeben. Zusätzlich haben wir uns personell verstärkt – mittlerweile arbeiten drei Organisationsberater:innen bei uns, die je nach Projekt begleiten und beraten.
Was unterscheidet euren Ansatz von klassischen Unternehmensberatungen?
Gina: Ein wesentlicher Unterschied: Unser Ansatz ist immer identitätsbasiert. Wir gehen von der Identität einer Organisation aus – von den Werten, von der Kultur. Die haben bei uns einen extrem hohen Stellenwert.
Tom: Wir schauen zuerst: Was ist bereits vorhanden? Nicht nur: Was sollte sein? Das ist ein ressourcenorientierter Ansatz: Stärken stärken und Schwächen schwächen. Dabei von dem ausgehen, was bereits da ist.
Könnt ihr Projekte immer klar einem der drei Bereiche zuordnen?
Tom: Idealerweise nicht! Die Stärke liegt ja gerade in den Schnittmengen. Natürlich gibt es Projekte, die schwerpunktmäßig in einem Bereich liegen. Aber nicht selten starten wir mit einer Anfrage für eine Kommunikationsstrategie und merken dann in den ersten Workshops, dass wir zunächst in die Organisation hineinschauen müssen. Dann bewegen wir uns in den Bereich Transformation und können zunächst die organisationalen Grundlagen schaffen, damit das Kommunikationskonzept überhaupt wirken kann.
Gina: Ein klassisches Beispiel ist, wenn wir eine Organisation bei ihrer Fünfjahresstrategie beraten. Da ist es wichtig, relevante Stakeholder partizipativ einzubinden. Durch unsere Kommunikationsstärke können wir ansprechende Beteiligungsformate entwickeln, in denen auch Großgruppen eingebunden werden. Wir können der Strategie ein visuelles Gesicht geben, ein Narrativ, manchmal sogar ein Logo. So wird Strategie erlebbar.
Ihr sprecht vom »Erlebbarmachen« – warum ist das wichtig?
Tom: Damit Organisationen Veränderungsvorhaben verstehen, braucht es diese emotionale Dimension. Theoretisch kann man sich für ein Narrativ oder bessere Prozesse begeistern. Aber die Fähigkeit, von einem Veränderungsvorhaben zu überzeugen und zu motivieren, entsteht erst durch diese konkrete Erfahrbarkeit. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Gina: Es hilft uns sehr, dass wir langjährige Expert:innen im Bereich Kommunikation sind. Jede Strategie steht und fällt mit gelungener Kommunikation, vor allem nach innen. Die Kommunikation in die Organisation hinein, die Mitarbeitenden für den Weg zu gewinnen – das ist aktuell wichtiger als die Außenkommunikation.
Gibt es weitere typische Schnittmengenthemen?
Tom: Wissenstransferstrategie ist zum Beispiel ein interessantes Spannungsfeld. Hier haben wir zwei berechtigte Interessen: Die Organisation möchte, dass die Marke der Hochschule sichtbar wird. Gleichzeitig ist die Freiheit der Wissenschaft und Forschung ein hohes Gut – und für Wissenschaftler:innen völlig zu Recht unverhandelbar. Diesen Bereich zu gestalten, wo wir motivieren, beides zu verbinden, aber gleichzeitig befähigen, Wissenschaftskommunikation eigenständig zu entwickeln – das ist eine anspruchsvolle Aufgabe und oft ein längerer Prozess.
Gina: Employer Branding ist ein weiteres typisches Schnittmengenthema. Eine Recruiting-Kampagne verfehlt ihre Wirkung, wenn die angeworbenen Personen feststellen, dass die Organisationskultur nicht dem entspricht, was kommuniziert wurde. Hier entsteht schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Wie wirkt sich das TIK-Modell auf eure Projekte aus?
Gina: Wir sehen mittlerweile mehr Facetten. Wir können auf Dinge aufmerksam machen, die unsere Auftraggeber:innen vielleicht gar nicht im Blick hatten. Es ist ja ein Klassiker, dass jemand mit einem bestimmten Vorhaben zu uns kommt, und wir dann prüfen: Ist es wirklich das, was ihr braucht? Oder sind andere Maßnahmen hilfreicher?
Tom: Wir sind nie gefällig in der Zusammenarbeit, sondern konstruktiv kritisch. Oft beginnen wir in einem Bereich und merken dann, dass wir woanders ansetzen müssen. Das Schöne ist: Wir können nahtlos wechseln, ohne die ursprünglichen Ziele aus den Augen zu verlieren.
Ihr arbeitet nicht für alle Organisationen?
Gina: Richtig, seit es NI gibt, beschäftigen wir uns bewusst mit gesellschaftspolitischen Themen. Unsere Auftraggeber:innen wählen wir gezielt aus: Öffentliche Einrichtungen, Bildung und Forschung, soziale Organisationen. Die Wirkung unserer Beratung und kommunikativen Maßnahmen sind uns ein zentrales Anliegen.
Tom: Unser Claim »Für eine konstruktive Gesellschaft« bringt das zum Ausdruck: Wir vertreten einen multiperspektivischen Blick auf Themen und Organisationen. Unterschiedliche Meinungen oder Blickwinkel nicht auszuschließen, nur weil eine Perspektive relevanter erscheint oder hierarchisch höher steht, sondern sie alle ernst zu nehmen. Das spiegelt sich auch in unserem erweiterten Portfolio wider.
Was bedeutet das konkret für eure Arbeit?
Gina: Wir arbeiten für Organisationen, die das Miteinander und den sozialen Fortschritt im Fokus haben – nicht für solche, die nur kommerziellen Erfolg suchen. Mit dem unserem erweiterten Portfolio können wir diese Organisationen noch wirkungsvoller dabei unterstützen, sich gut aufzustellen für die Herausforderungen unserer Zeit.
Tom: genau, wir unterstützen Organisationen dabei, faktenorientierte Entscheidungen zu treffen, die verschiedene Meinungen berücksichtigen und unterschiedliche Perspektiven erklären und kontextualisieren. Unser Ziel bleibt sozialer Fortschritt: mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, besserer Zugang zu Bildung und Wissen, demokratische Teilhabe, Chancengleichheit.
Was verändert sich durch das »TIK-Modell«, was bleibt gleich?
Gina: Wir können jetzt deutlich tiefer in Organisationen hineinwirken, früher in die Zusammenarbeit einsteigen, die Grundlagen für wirksamere Kommunikation schaffen. Gleichzeitig bleiben wir eine Kreativagentur. Ich habe weiterhin große Freude daran, Inhalte sichtbar zu machen, in prägnante Botschaften zu formulieren, in eine überzeugende visuelle Welt zu überführen. Das bleibt bestehen.
Tom: Auch weil technologische Entwicklungen Prozesse unterstützen und manche Organisationen kreative Umsetzung verstärkt intern realisieren möchten, reagieren wir mit dieser Portfolioerweiterung. Wir haben einen umfassenderen Blick und können auf Aspekte aufmerksam machen, die Auftraggeber:innen möglicherweise nicht im Fokus hatten. Wir sind dabei konstruktiv kritisch in der Zusammenarbeit.
Was ist euer wichtigster Rat für Organisationen im Wandel?
Gina: Nicht alles gleichzeitig angehen wollen. Und vor allem: die Menschen mitnehmen.
Tom: Genau. Wer dazu Interesse an einem Gespräch hat, kann uns gerne kontaktieren.