Kampagne & politische Kommunikation›LSVD+
Queere Rechte sind Menschenrechte
Seit Jahrzehnten kämpft der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD+) für queere Rechte. Mit der Kampagne »Zusammen für Gerechtigkeit« stand 2024/2025 eine besondere strategische Herausforderung bevor: Nach dem Bruch der Ampelkoalition im November 2024 und den daraus resultierenden vorgezogenen Bundestagswahlen im Februar 2025 zeichnete sich eine veränderte politische Landschaft ab. Verschiedene Koalitionsszenarien waren möglich, mehrheitlich wurde eine Regierungsbeteiligung von CDU/CSU prognostiziert.
Wir haben den LSVD+ empfohlen, bereits vor den Wahlen ein fundiertes Positionspapier zu entwickeln, um zu Beginn der Koalitionsverhandlungen direkt handlungsfähig zu sein. Denn die geplante Grundgesetzänderung würde Abgeordnete unterschiedlicher politischer Lager adressieren müssen. Wir entwickelten daher einen Kommunikationsansatz, der bewusst mit etablierten LGBTIQ+-Kampagnenmustern bricht: Dialog statt Konfrontation, Anschlussfähigkeit statt Aktivismus.
Brücken bauen, um Wirkung zu entfalten
Von der strategischen Positionierung über die visuelle Gestaltung bis zur sprachlichen Ausrichtung konzipierten wir sämtliche Kampagnenelemente auf ein Ziel hin: Verhandlungspartner:innen verschiedener Couleur einen Zugang zum Thema zu ermöglichen, ohne die Haltung des LSVD+ zu verwässern. Die Formsprache greift das Element der Bühne auf, deren »Seitenwände« flexibel verschoben werden können – als Sinnbild für den Raum, in dem Debatten, Austausch und letztlich gesetzliche Veränderungen stattfinden. Das Design zeigt: Hier geht es um sachliche Auseinandersetzung, nicht um ideologische Grabenkämpfe.
In der Sprache verzichten wir auf moralische Überhöhung. Kurze Textblöcke, klare Zwischenüberschriften und modular aufbereitete Argumente helfen beim schnellen Erfassen. Statt »Ihr müsst!« heißt es »Lasst uns gemeinsam«. Begriffe wie »Nächstenliebe« und »Zusammenhalt« schaffen emotionale Brücken zu christlich-konservativen Werten.
Wenn Politik konkret wird
Die Kampagne mobilisiert erfolgreich: Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, darunter auch Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften, unterstützen die Grundgesetzergänzung. Besonders bemerkenswert: Die Präses der Evangelischen Kirche Deutschland sprach sich erstmals öffentlich für die Verfassungsänderung aus.
Die Website wird zur zentralen Argumentationshilfe für Bürger:innen im Dialog mit ihren Abgeordneten. Downloadbare Materialien und präzise Hintergrundinformationen erleichtern persönliche Gespräche in Wahlkreisen. Die Kampagne schafft es, aus einem rechtlichen Thema eine gesellschaftliche Bewegung zu machen.
Der LSVD+ positioniert sich mit dieser Kampagne breiter: nicht nur als Interessenverband, sondern auch als Akteur:in für demokratischen Zusammenhalt. Das Design und die Sprache ermöglichen es konservativen Politiker:innen, sich der Sache anzuschließen, ohne ihr politisches Profil zu gefährden. So entstehen neue Allianzen für Grundrechte.