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iday: Muster der Sprachen

Wie kommunizieren wir? Welche Formen sind für wen wie verständlich? Was haben unsere Schriften und Sprachen gemein? Was trennt sie voneinander? Und was bedeutet Sprache für den Austausch untereinander? 

Von Karolin Jäger — Über slanted bin ich vor einigen Monaten auf das Projekt »Sprachbarrieren« aufmerksam geworden, welches von Studenten der Hochschule Niederrhein entwickelt und realisiert wurde. In fünf verschiedenen Sprachen wurde das Wort »ich« als riesige dreidimensionale Formen an öffentlichen Orten in Krefeld installiert. Die Aktion löste eine Diskussion über die Eigenschaften von Sprache als Mittler einerseits und Barriere andererseits aus. Die Art und Weise wie Sprache als Mittler in einer Mensch–Kultur–Raum–Beziehung visualisiert wurde, fand ich super. Das Projekt wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2013 vom BMBF gefördert.

»Wörter sind kein Zufall« September 2016 – In einer Pressemitteilung des Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena werden die Forschungsergebnisse des Sprachwissenschaftlers Damián E. Blasi veröffentlicht. Anhand von 40 Begriffen, die er mit seinem Team in 4.000 Sprachen auf gemeinsame oder ähnliche Laute verglichen hat, stellt er die bisherigen Erkenntnisse der Sprachforschung auf den Kopf. »Das Ergebnis legt nahe, dass wir Menschen zwar eine Art ›universeller Sprache‹ sprechen, diese möglicherweise allerdings biologisch beeinflusst ist und weniger linguistischen Prinzipien der lange gesuchte Ursprache entspricht.« Bisher war den Forschern bekannt, dass Begriffe wie »BOUBA« universell eher mit großen Dingen wie z. B. einem Elefanten und »kiki« eher mit etwas kleinem, wie ein Vogel oder eine Maus assoziiert werden. Die Ergebnisse der Forschung belegt nun, dass es viel mehr Laute gibt, als bisher angenommen, die sprachübergreifend und global gültig mit bestimmten Begriffen und Aussagen verknüpft werden und dieses universale Verständnis kein einmaliger Zufall ist. Zudem legen die Studien nahe, dass die Ursache für dieses gemeinsame Laute-Verständnis mehr im biologischen als sprachhistorischen Kontext zu finden ist.

»Offenbar führt etwas im Menschen selbst zu diesen klanglichen Mustern. Was es ist, wissen wir nicht.«

Morten H. Christiansen

Zu dieser Zeit war ich selbst gerade mit der Umsetzung eines Faltblatts auf arabisch beschäftigt. Die Zeichen der arabischen Schrift besitzen im typografischen Satz eine unglaubliche Komplexität, im Layout jedoch eine wunderschöne Eleganz. Aus dem Interesse heraus, mehr über arabische Schrift zu erfahren, habe ich bei Linotype das »Alfabeta Arabica« (PDF) von »Naghi Naghashian« gefunden. Wer mehr über die Herausforderungen arabischer Schrift erfahren und lernen will, der sollte diese Arbeit unbedingt einmal lesen – super spannend!

Grundsätzlich werden die Anforderungen an eine Schrif laufend größer. Immer mehr Sprachen sollen abgedeckt werden, die ausgewählte Schriftart universell einsetzbar sein. 2009 gründete der Typograf Peter Bil‘ak (Typotheque, Den Haag) die »Indian Type Foundry« zusammen mit Satya Rajpurohit. Drei Jahre später folgte die »TPTQ Arabic« für die er sich den Schriftgestalter Kristyan Sarkis mit ins Boot holte. Die in diesem Jahr erschienene Schrift »November« deckt z. B. fünf Sprachen ab – Latein, Kyrillisch, Griechisch, Hebräisch und demnächst auch Arabisch.

Und auch bereits existierende Schriftarten werden zunehmend multilingual. Ob Nadine Chahine, die für Linotype bekannte Schriften wie die Frutiger, Palatino, DIN und Univers mit arabischen Pendants ergänzt hat oder Prof. Ryan Abdullah (Buch »Typobau« auf slanted.de) der für Firmen wie Nokia oder McDonald‘s eine Korrespondenz mit einer arabischen Version ihrer Hausschrift ermöglicht.

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