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Digital Detox — digitale Abstinenz

Kopf nach unten, leerer Blick, Daumen swipen pausenlos über den Touchscreen — Smombies sind Heavy-Smartphone-Nutzer, die kein Blick mehr haben für ihre Umgebung und sich in den Untiefen ihrer mobilen, digitalen Infrastruktur verlieren. Checken, chatten, posten, tracken oder tindern. Digital Detox meint digitale Enthaltsamkeit und ist die Gegenbewegung, die sich mittlerweile zum Trend entwickelt hat. Menschen, die dieser Bewegung folgen, nutzen auf gar keinen Fall ein freies WLAN wie godspot, schalten ihre Geräte in den Offline-Modus oder besitzen gar nicht erst mobile, online fähige Geräte.

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) lädt wie jeden Monat zum Digitalen Salon (DigSal) und stellt diesmal die Fragen nach der digitalen Abstinenz. Einen ersten Impuls setzt Benedikt Fecher, der Forscher am HIIG ist und den DigSal eröffnet. Er weist darauf hin, dass digitale Abstinenz zu kreativer Langeweile führen kann. Das hat er selber schon erfahren, als sein Smartphone defekt war und er sich bewusst kein Ersatzgerät angeschafft hat. Allerdings handelt es sich hierbei um halb freiwillige Enthaltsamkeit. In vielen Fällen jedoch muss die Enthaltsamkeit und die Verringerung des Online-Konsums strategisch geplant werden, weil viele Nutzer sich selbst davon nur selten befreien können.

Beim Digitalen Salon diskutieren

Die Diskussion kreist um die Frage, was die Digitalisierung des Alltags für jeden Einzelnen bedeutet. Björn Stecher von der Initiative D21 stellt dann auch genau diese entscheidende Frage: »Jeder muss sich fragen: Was bedeutet das Digitale für mein Leben?«. Die Antwort ist vielfältig und komplex, allerdings gibt es Ansätze. Zunächst ist jeder Nutzer gefordert, eine Antwort für sich selbst zu finden. Stecher nimmt jedoch auch Organisationen und Unternehmen mit in die Verantwortung und regt neben der Corporate Social Responsibility (CSR) eine Corporate Digital Responsibility an. Unternehmen tragen auch eine digitale Verantwortung, insbesondere für ihre Mitarbeiter, so Stecher.

Kathleen Lindner berichtet über ihre Workshops, in denen sie auf die konkreten Bedürfnisse der »Digital Junkies« eingeht und konkrete Lösungen zur Reduzierung des digitalen Überkonsums bespricht. Für sie stehen die Probleme und Fragen jedes Einzelnen im Vordergrund, auf die sie versucht Antworten zu finden. Ergänzend verweist Nele Heise auf eine das Digitale einschließende Medienkompetenz, die insbesondere auch jüngeren Generationen vermittelt werden sollte.

Auf den Punkt formuliert es noch einmal Björn Stecher mit seinem Plädoyer für eine digitale Ethik und der Frage: Wo sind unsere Normen und Werte in der digitalen Welt? Die Diskussion darüber hat gerade erst begonnen und muss weitergeführt werden. Spannend ist es nun, diese digitale Verantwortung konkret zu definieren und Methoden und Ansätze für sie zu entwickeln. Staat, Organisationen und Unternehmen sind gleichermaßen gefordert.

Frühere Veranstaltungen des Digitalen Salons sind im Stream online abrufbar.

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